01.09.2010 00:00 von Alfred Kalinowski †
In der Ausgabe der Apothekenzeitung "Apotheke aktuell" der Alpha-Apotheke Bochum, wurden über mehrere Jahre Geschichten von Alfred Kalinowski veröffentlicht. Diese Geschichten hatten immer einen Zeitbezug zu historischen Ereignisssen in Bochum. Auch im Gedenken an Alfred Kalinowski wollen wir, die Alpha-Apotheke Bochum, diese Geschichten aus unserem Archiv heraussuchen und wieder veröffentlichen:

Der Karneval mit all seinen Prunksitzungen, Kostümfesten und Gelagen geht in diesen Tagen in die „Zielgerade". Jubel, Trubel, Heiterkeit haben sich längst breitgemacht. Dieses „Alaaf und Helau" ist aber nicht nur in unserer Zeit großgeschrieben. Schon zu Großelterns Zeiten haben die Bochumer zünftig gefeiert. Um 1900 ging es besonders in der Altstadt und am Springerplatz hoch her. In 207 Kneipen floss das Bier, das überwiegend aus den vier heimischen Großbrauereien stammte.
Und, genau wie gelegentlich heutzutage, wandte sich manche Obrigkeit gegen den Ausschweif der Narretei. So auch der evangelische Pastor Friedrich-Adolf König, der im Karneval besonders für Jugendliche „Gefährliche Lustbarkeiten" entdeckte. Dazu hatte er als Superintendent der Bochumer Kreissynode folgenden Antrag eingebracht, der ab 1903 Gültigkeit haben sollte:
1. Die Kreissynode erwartet, dass die Konfirmanden jedes Jahr zeitig über das Ungeziemende der Faschingsaufzüge eingehend belehrt und die Erwachsenen am 7. Sonntag vor Ostern (Karnevalssonntag) in allen Gottesdiensten zu ernstlicher Bekämpfung des karnevalistischen Treibens ermahnt werden.
2. Die evangelische Landeskirche Westfalen richtet das Gesuchen an die Herren Schulinspektoren, die Lehrpersonen anzuweisen, dass sie die Schüler jedes Jahr rechtzeitig vor jeglicher Art von Beteiligungen an frevelhaften Karnevalsumzügen eindringlich verwarnen.
3. An den Bochumer Landrat Karl Gerstein und Bürgermeister Friedrich Graff ergeht die Bitte, mit allen Mitteln gegen karnevalistische Alkohol-Vergnügen vorzugehen. Diese Einbringung liegt im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der häuslichen Wohlfahrt und der kirchlichen Sitte. Randalierer passen nicht in unsere religiöse Gesellschaft und müssen eindringlich bestraft werden. Schlussfolgerungen aus dem kirchlichen Distrikt: „Die Kanzelreden" brachten kaum erkennbare Wirkung — Pastor König konnte den Trubel nicht bremsen. Heute, nach 100 Jahren, sieht alles ganz anders aus. Da mischen die geistlichen Herrschaften gelegentlich munter mit, bei geselliger Karnevalsstimmung, die sich vor allem in der Evangelischen Frauenhilfe längst breitgemacht hat.
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