01.01.2011 00:00 von Dirk Eickmeier
In der Ausgabe der Apothekenzeitung "Apotheke aktuell" der Alpha-Apotheke Bochum, wurden über mehrere Jahre Geschichten von Alfred Kalinowski veröffentlicht. Diese Geschichten hatten immer einen Zeitbezug zu historischen Ereignisssen in Bochum. Auch im Gedenken an Alfred Kalinowski wollen wir, die Alpha-Apotheke Bochum, diese Geschichten aus unserem Archiv heraussuchen und wieder veröffentlichen:
Strafen bis zu zwei Jahren Haft riskierten die wenigen Bochumer Radiobesitzer, wenn sie vor 80 Jahren im Kopfhörer die erste Übertragung eines Weihnachtskonzertes aus dem Funkhaus in Berlin hörten. Die französische Besatzungsmacht, die damals in der Ruhrstadt residierte, hatte nämlich das Abhören von Funkdarbietungen strikt verboten. Erst ein Jahr später zeigte sie Einsicht und gestand ein, dass Weihnachtsmusik und Reparationsforderungen nichts miteinander zu tun haben. Die Bochumer ließen sich das Rundfunkvergnügen jedoch kaum verbieten und die technischen Teile für das Empfangsgerät konnte man sich illegal besorgen.
Dennoch war 1923 das „Dampfradio" in Bochum die Attraktion auf dem Gabentisch. Obwohl
die schwachen Radiowellen aus dem entfernten Berlin kaum bis ins Ruhrgebiet
reichten, saßen die Fans am Detektor-Empfänger und suchten nach dem Sender. Das war oft eine
Geduldsprobe. Quarzsteine ersetzten meist noch
die damals teuren Radioröhren. Man piekte
mit einer Drahtspitze solange den Stein ab, bis man das Glück hatte, zwischen „Krachen und Rauschen" einige Musikfetzen einzufangen. Um die dünne Mittelwelle überhaupt
zu empfangen, hatten Bastler bis zu 50 Meter
lange Eierkettenantennen gebaut, die oftmals von einer Bohnenstange im Garten bis zum Hausdach reichten.
Erst 1924 wurde mit der Einrichtung eines Senders in Münster das Ruhrgebiet durch die „Westdeutsche Funkstunde" besser versorgt. An der Gründung beteiligte sich übrigens auch die Industrie- und Handelskammerzu Bochum mit 10000 Goldmark. Ein Jahr später ging im benachbarten Dortmund ein Nebensender in Betrieb, der zur Premiere am 17. September 1925 eine Live-Reportage aus dem Bochumer Stadtparkt übertrug.
Niemand
ahnte, dass der Dortmunder
Rundfunk nur wenige Monate überleben sollte. Im Herbst 1925 übernahm
der Großsender Langenberg
diese Einrichtung und versorgte fortan das
gesamte Ruhrgebiet mit
Rundfunkwellen. Bis Weihnachten 1925 waren bei der Bochumer Post etwa 800 Funkteilnehmer gebührenpflichtig registriert. Zwei Mark monatlich kostete damals
das Rundfunkvergnügen.
1933 wurden im Bochumer Fachhandel die ersten Volksempfänger zum Stückpreis von 75 Reichsmark angeboten. Vier Jahre später kostete der moderne Weltempfänger in Edelholz bereits an die 150 Reichsmark, was damals den vollen Monatslohn eines Bergmannes ausmachte. Seit Weihnachten 1924 läuft die regelmäßige Kinderstunde im Radio.
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