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Dezember 2003: Vor 30 Jahren: Erstes Weihnachtshonzert im Radio Bochumer lauschten am Kopfhörer

01.01.2011 00:00 von Dirk Eickmeier

In der Ausgabe der Apothekenzeitung "Apotheke aktuell" der Alpha-Apotheke Bochum, wurden über mehrere Jahre Geschichten von Alfred Kalinowski veröffentlicht. Diese Geschichten hatten immer einen Zeitbezug zu historischen Ereignisssen in Bochum. Auch im Gedenken an Alfred Kalinowski wollen wir, die Alpha-Apotheke Bochum, diese Geschichten aus unserem Archiv heraussuchen und wieder veröffentlichen:


Strafen bis zu zwei Jahren Haft riskierten die wenigen Bochumer Radiobesitzer, wenn sie vor 80 Jahren im Kopfhörer die erste Über­tragung eines Weihnachts­konzertes aus dem Funk­haus in Berlin hörten. Die französische Besatzungsmacht, die damals in der Ruhrstadt residierte, hatte nämlich das Abhören von Funkdarbietungen strikt verboten. Erst ein Jahr später zeigte sie Einsicht und gestand ein, dass Weih­nachtsmusik und Reparationsforderungen nichts miteinander zu tun haben. Die Bochumer ließen sich das Rundfunkvergnügen jedoch kaum verbieten und die technischen Teile für das Empfangsgerät konnte man sich illegal besorgen.

tl_files/alphabilder/alphabochum/kalinowski/20031201.jpgDennoch war 1923 das „Dampfradio" in Bochum die Attraktion auf dem Gabentisch. Obwohl die schwachen Radiowellen aus dem entfernten Berlin kaum bis ins Ruhrgebiet reichten, saßen die Fans am Detektor-Empfänger und suchten nach dem Sender. Das war oft eine Geduldsprobe. Quarzsteine ersetzten meist noch die damals teuren Radioröhren. Man piekte mit einer Drahtspitze solange den Stein ab, bis man das Glück hatte, zwischen „Krachen und Rauschen" einige Musikfetzen einzu­fangen. Um die dünne Mittelwelle überhaupt zu empfangen, hatten Bastler bis zu 50 Meter lange Eierkettenantennen gebaut, die oftmals von einer Bohnenstange im Garten bis zum Hausdach reichten.

Erst 1924 wurde mit der Einrichtung eines Senders in Münster das Ruhrgebiet durch die „Westdeutsche Funkstunde" besser versorgt. An der Gründung beteiligte sich übrigens auch die Industrie- und Handelskammerzu Bochum mit 10000 Goldmark. Ein Jahr später ging im benach­barten Dortmund ein Nebensender in Betrieb, der zur Premiere am 17. September 1925 eine Live-Reportage aus dem Bochumer Stadtparkt übertrug.

tl_files/alphabilder/alphabochum/kalinowski/20031202.jpgNiemand ahnte, dass der Dortmunder Rundfunk nur wenige Monate überleben sollte. Im Herbst 1925 übernahm der Großsender Langenberg diese Einrichtung und versorgte fortan das gesamte Ruhrgebiet mit Rundfunkwellen. Bis Weihnachten 1925 waren bei der Bochumer Post etwa 800 Funkteilnehmer gebührenpflichtig regis­triert. Zwei Mark monatlich kostete damals das Rund­funkvergnügen.

1933 wurden im Bochu­mer Fachhandel die ersten Volksempfänger zum Stück­preis von 75 Reichsmark angeboten. Vier Jahre später kostete der moderne Welt­empfänger in Edelholz bereits an die 150 Reichsmark, was damals den vollen Monats­lohn eines Bergmannes ausmachte. Seit Weihnachten 1924 läuft die regelmäßige Kinder­stunde im Radio.

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