15.08.2010 19:26 von Alfred Kalinowski †
In der Ausgabe der Apothekenzeitung "Apotheke aktuell" der Alpha-Apotheke Bochum, wurden über mehrere Jahre Geschichten von Alfred Kalinowski veröffentlicht. Diese Geschichten hatten immer einen Zeitbezug zu historischen Ereignisssen in Bochum. Auch im Gedenken an Alfred Kalinowski wollen wir, die Alpha-Apotheke Bochum, diese Geschichten aus unserem Archiv heraussuchen und wieder veröffentlichen:
Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bochum kann in diesen Wochen auf sein 90-jähriges Bestehen zurückblicken. Die Eigenständigkeit begann im Oktober 1913, als vierzehn Männer und drei Frauen zusammenkamen, um in der Ruhrstadt einen Verein zum Wohle der Arbeiter zu gründen. Erste Hilfe bei Arbeitsunfällen sowie Sanitätswachen bei Arbeiterversammlungen standen im Mittelpunkt der ersten Aktivitäten.
'Geschichtlich sei erwähnt, dass der ASB überregional natürlich viel älter ist als der Bochumer Ortsverband. Angefangen hat alles in Berlin anno 1888, wo der Zimmermann Gustav Dietrich die Samariter-Hilfe ins Leben rief. Nach dem erfolgreichen Beispiel der Berliner, etablierten sich bald auch in anderen deutschen Städten Samariter-Kolonnen, die nach ihrem Zusammenschluss von 1909 den „Arbeiter-Samariter-Bund" als Einheitsbezeichnu

ng bundesweit einführten. So wurde der ASB dann auch drei Jahre später (1913) in Bochum aktiv. Die Stadtchronik schweigt sich allerdings darüber aus, wo die Gründungsversammlung stattgefunden hat. Ebenso fehlen nähere Umstände und die Namen der Initiatoren. So findet erst ein Schreiben vom 25. Mai 1914 die Aufmerksamkeit des ASB, in dem er in einer Bittschrift an den Bochumer Oberbürgermeister Fritz Graff um finanzielle Unterstützung nachsucht.
Weil das Geld in der Vereinskasse fehlte, der Mitgliedsbeitrag lag bei acht Groschen pro Jahresquartal, mussten die ersten Krankenbahren bei der Bochumer Bergarbeitergesellschaft ausgeliehen werden. Nicht selten kam es vor, dass Unfallverletzte auf strohgepolsterten Handwagen ins Krankenhaus transportiert wurden. Für Notfälle mit der Pferdedroschke musste der ASB Geld aus der Vereinskasse zubuttern - die Krankenkasse verweigerte meistens einen Zuschuss. So war der ASB ständig auf die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung angewiesen, die ihre Spendengroschen im „Suppenteller" klingeln ließen.
Im Weltkrieg 1914/18 geri
et die Bochumer ASB-Hilfe
ins Stocken. Über die Hälfte der Mitglieder war im Fronteinsatz - zu Hause
leisteten Frauen den Beistand für verwundete Soldaten, die in Bochumer
Notlazaretten untergebracht waren.
Seit 1921 ging es für den ASB sprunghaft aufwärts: In Altenbochum, Bergen, Gerthe, Harpen, Linden, Riemke, Weitmar, Werne und Wiemelshausen entstanden Ortsvereine, die sich fortan auch der Familienhilfe widmeten. Bedürftige Einzelpersonen erhielten seinerzeit 15 Groschen pro Tag von der Wohlfahrt und die Bergmannsfamilie mit zwei Kindern musste sich monatlich mit 120 Mark über Wasser halten. Wenn man die Sorgen des ASB von damals betrachtet, hat sich an der finanziellen Situation bis heute kaum etwas geändert. Die kostendeckende Vereinsarbeit Ist immer wieder ein heißdiskutiertes Thema. Über 4000 eingeschriebene Mitglieder unterstützen derzeit den ASB-Ortsverband, der damit zu den größten Wohlfahrtseinrichtungen in Bochum zählt.
Beim ASB wird ständig für den Ernstfall geprobt. Hier bei einer Übung am Husemannplatz (1973).
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